Das Leben der Zauneidechsen

Zauneidechse - Bild aus dem Film © Josef Röhrle
Zauneidechse - Bild aus dem Film © Josef Röhrle


Reptil des Jahres 2020

 

Videofilm von Josef Röhrle, Dauer 1h


Die Zauneidechse, Lacerta agilis, Reptil des Jahres 2020, ist wie viele Insekten und Vögel durch den Verlust Ihres Lebensraumes in Ihrer Art gefährdet. Der wissenschaftliche Name Lacerta agilis geht auf den großen schwedischen Naturforscher Carl von Linne (1707 - 1778 ) zurück. Er benannte die Art in seinem berühmten Werk Systema Naturae.


Da die Zauneidechse bevorzugt Grenzstrukturen wie Wald und Straßenränder besiedelt, in alten Bauerngärten oft im Zaunbereich zu beobachten war, hat sie bei uns wohl den Namen Zauneidechse erhalten.
In der Nähe der Ortschaft Langensendelbach hat sich in einem waldnahen Gartengrundstück seit einigen Jahren eine stabile Population der Zauneidechse angesiedelt. Das Areal wurde zusätzlich mit geeigneten Biotoprequisiten aufgewertet und ist so für die Eidechsen besonders attraktiv.
Absolutes Highlight, und beliebtester Platz für die Echsen ist ein freistehender Holzstoß.


Die Ende März , aus der Winterruhe erscheinenden männlichen Zauneidechsen "besetzen" sofort den Holzstoß, wo sie sich häuten und sonnen, dabei auch zunehmend ihr leuchtend grünes Hochzeitskleid annehmen und nur darauf warten bis die ersten Weibchen erscheinen. Schon kurze Zeit nach dem Verlassen des Winterquartiers sind die adulten Männchen paarungsbereit. Bevor es jedoch zu einer erfolgreichen Paarung kommen kann müssen erst die Spermien heranreifen. Dies dauert etwa 2 Wochen. In dieser Zeit erfolgt auch die Frühjahrshäutung.


Die Grünfärbung der Männchen hat nur einen unbedeutenden Einfluss auf die Partnerwahl der Weibchen sondern bestimmt in erster Linie die Rangordnung unter den Männchen.


In der Regel leben die Zauneidechsen friedlich zusammen. Treffen aber zwei etwa gleich große Männchen mit etwa gleicher intensiver Grünfärbung aufeinander kann es schon mal zu einem erbitterten Rivalen Kampf kommen um die Fronten zu klären.


Solche Kämpfe sind in freier Natur nur sehr selten zu beobachten. Meist weisen nur Bisspuren auf der Kopfplatte der Männchen darauf hin dass ein solcher Kampf stattgefunden hat.


Wir hatten allerdings das Glück einen solchen Komment Kampf zu beobachten. Mit dem Erscheinen der Weibchen kommt Unruhe auf bei den Männchen. Jedes möchte sich zuerst paaren. Ob, und mit wem es zur Paarung kommt entscheidet nur das Weibchen. Wir beobachten das Werben um die Weibchen, das Liebesspiel und die Paarung. In den Stunden und Tagen nach der Paarung bleibt das Männchen immer in der Nähe des Weibchen und bewacht dieses um zu verhindern dass sich das Weibchen noch mit einem anderen Männchen paart. Zum Heranreifen des Geleges ziehen sich die Weibchen an einen sonnigen Platz zurück. Etwa 5 Wochen nach der Paarung haben sich die Eier im Leib der Weibchen entwickelt. Die Entwicklungsdauer ist sehr stark von der Temperatur abhängig. Zur Eiablage suchen sich die Weibchen schon einige Tage vorher einen geeigneten Eiablageplatz aus und testen die Tauglichkeit durch Probegrabungen.

 

Wir hatten großes Glück auch die Eiablage zu filmen. Ein besonderes Highlight. Nach etwa 2 Monaten, ca. Ende Juli erscheinen die Schlüpflinge. Die adulten Männchen haben sich in der Zwischenzeit die notwendigen Energiereserven angefressen und verschwinden bereits im August ins Winterquartier. Die Weibchen folgen etwa 4-6 Wochen später. Jetzt sieht man nur noch die Schlüpflinge die je nach Wetterlage spätestens Ende Oktober verschwinden. Damit geht ein spannendes Eidechsenjahr zu Ende.

 

 

(Text und Bilder © Josef Röhrle)